Die Erdmännchen im Zoo Erfurt sind - wie viele Tiere - schreckhaft. Wie Feuerwerke auf sie wirken, darüber sind auch Experten uneins. Foto: Marco Schmidt 

Tierschützer fordern ein Verbot für Feuerwerke im Thüringer Zoopark. Weltweit gäbe es kaum Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zur Reaktion von Wildtieren. Das Verfahren läuft nun beim Veterinäramt.

Erfurt. Der Landestierschutzbeirat bemüht sich um ein Verbot von Feuerwerken in Thüringer Tierparks und Zoos und in deren Nähe. Auslöser ist das Feuerwerk im Thüringer Zoopark am Roten Berg am vergangenen Wochenende, das zur Klassiknacht abgebrannt wurde. Dies hatte Tierschützer auf den Plan gerufen. Die Tiere würden durch die Licht- und Knalleffekte unnötig in Stress und Panik versetzt, hieß es von Tierschutzverein und Landestierschutzbeirat. Es entstehe Leid bei den Wildtieren, das vermeidbar wäre.

Der Zoopark Erfurt wies die Anschuldigungen zurück. Zooparkdirektor Thomas Kölpin sagte, er sei selbst Verhaltensbiologe und könne die Reaktion der Wildtiere einschätzen. Sie sei nicht anders als bei einem Gewitter in der freien Natur.

Es sei am Wochenende bereits das 13. Feuerwerk seit 2009 gewesen, das im Zoo stattfand, sagte er. Er verstehe die Aufregung nicht. Auch die ega halte zahlreiche Tiere, dort fänden auch sehr häufig Feuerwerke statt, aber niemand rege sich darüber auf, so Kölpin. Inzwischen habe der Zoo ein neutrales Gutachten bei der Landwirtschaftskammer in Hannover angefordert. Andere Zoos würden auch Feuerwerke veranstalteten, so Hagenbeck in Hamburg und der Zoo in Osnabrück.

Aus der Pressestelle bei Hagenbeck hieß es aus Nachfrage der "Thüringer Allgemeine", man habe mit den Feuerwerken keine Probleme. Es gäbe drei pro Jahr. Für die Zeit der Vorführung würden besonders empfindliche Tiere in die Innengehege gebracht.

Die Tierschützer verweisen wiederum auf den Zoo in Leipzig. In dessen Nähe, so Kerstin Ebenau vom Erfurter Tierschutzverein, habe 2007 eine Feuerwerk-Weltmeisterschaft stattgefunden. Mehrere in Panik geratene Tiere hätten damals von der Feuerwehr gerettet werden müssen. Der Zoo Leipzig wollte sich auf Nachfrage dazu nicht äußern. Jede Veranstaltung, jede Situation sei anders, hieß es. Jedoch vermeide man zumeist Feuerwerke, zumal der Zoo mitten in der Messestadt liege, hieß es.

Der Vorsitzende des Thüringer Tierschutzverbandes, Gerd Fischer, sagte gegenüber unserer Zeitung, er habe bereits im Januar gegen das Feuerwerk zur Klassiknacht am Roten Berg beim Landesbetrieb für Arbeitsschutz in Suhl protestiert. Dieses ist für die Genehmigung von Feuerwerken zuständig. Man müsse nicht Wissenschaftler sein, so Fischer, um zu wissen, dass Feuerwerke den Tieren schaden. Der Landesbetrieb habe jedoch sein Schreiben an die Erfurter Veterinärbehörde weiter gegeben. "Bis heute steht eine Antwort aus", so Fischer.

Amtstierarzt Michael Klimas erklärte auf TA-Nachfrage, das Verfahren laufe noch. Er sei am vorigen Wochenende mit dem Zoodirektor und zwei Vertretern des Tierschutzbundes im Erfurter Zoo gewesen, um sich die Sache selbst anzusehen. Dies werde derzeit ausgewertet.

Die meisten Tiere seien vor dem Feuerwerk in die Ställe gebracht worden. Es müsse geklärt werden, ab welcher Dezibel-Grenze den Tieren geschadet werde.

Angefordert wurde außerdem ein Gutachten von einem neutralen Verhaltensbiologen. Klimas vermutet, der Feuerwerks-Streit könne auf einen Kompromiss hinaus laufen.

Das denkt auch der Vorsitzende des Thüringer Landestierschutzbeirates Gisbert Paar, der im Sozialministerium zugleich Abteilungsleiter für Veterinärwesen ist. "Ich halte das für keine gute Entwicklung", sagte er zu den Feuerwerken in Zooparks.

Jeder, der ein Haustier habe wisse, was die Knallerei für die Tiere bedeute. Allerdings sei dies auf Tiere im Zoo nicht einfach übertragbar. Weltweit gäbe es kaum Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zur Reaktion von Wildtieren.

Am Wochenende soll die Klassiknacht im Zoopark wiederholt werden, voraussichtlich noch einmal mit Feuerwerk.

Klassiknacht im Zoopark mit vielfältigem Programm

 

Angelika Reiser-Fischer / 23.08.12 / TA

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